Ein Notstromgenerator sorgt dafür, dass ein Stromausfall im Kantonsspital Baselland nur wenige Sekunden dauert.

Wenn im Spital der Strom ausfällt

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3 min
13.12.2023

Eine zuverlässige Stromversorgung ist für Flughäfen, Rechenzentren oder Krankenhäuser von grundlegender Bedeutung. Ohne Strom stehen Menschenleben auf dem Spiel. Deshalb gibt es ausgeklügelte Notfallsysteme.

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23 Uhr auf dem Bruderholz. Im Kantonsspital Baselland sind viele Zimmer hell erleuchtet. Dann passiert es: Mit einem Schlag fällt der Strom aus. Alles ist dunkel. Plötzlich dringt lautes Brummen durch die Nacht: Der Notstromdiesel ist angesprungen. Nur wenige Sekunden nach dem Stromausfall kehren die Lichter mit leichtem Flackern zurück. Das Spital leuchtet wieder.

Das Kantonsspital Baselland bei Nacht

Spitäler gehören zur kritischen Infrastruktur. Deshalb muss die Stromversorgung auch bei einem Stromausfall gewährleistet sein.

Auf den Ernstfall vorbereitet

Das Ganze war kein Unfall. Im Gegenteil. «Wir sind verpflichtet, unseren Notstromgenerator einmal im Jahr scharf zu testen», erklärt Alexander Dezlhofer. Er ist Leiter Technischer Dienst des Kantonsspitals Baselland. «Wenn der Strom ausfällt, muss der Notstromgenerator innerhalb von 15 Sekunden anspringen.»

Der Notstromtest beginnt damit, dass zwei Netzelektriker von Primeo Energie die beiden Hauptleitungen, die das Spital versorgen, nacheinander ausschalten. Die eine kommt vom Unterwerk Allschwil, die andere vom Unterwerk Münchenstein. «Wir schauen so in einem ersten Schritt, ob die automatische Umschaltung von Leitung eins auf Leitung zwei funktioniert», erklärt Dezlhofer. Sie funktioniert. Und so nehmen die Männer von Primeo Energie auch Leitung zwei vom Netz. Keine Sekunde später fährt der Notstromdiesel hoch und setzt das Spital unter Strom.

Alexander Dezlhofer, der den Einsatz geleitet hat.

Der alljährliche «scharfe Test» simuliert den Ernstfall eines Stromausfalls und wurde unter Aufsicht von Alexander Dezlhofer, Leiter Technischer Dienst des KSBL, durchgeführt.

Notfallvorsorge: mehrere Stufen der Stromversorgung

Wie das Kantonsspital Baselland verfügen viele kritische Einrichtungen über solche Notstromvorkehrungen: Flughäfen, Banken, Industrieanlagen. Dabei gibt es verschiedene Stufen, wie Tobias Betschart, Leiter der betriebsführenden Stelle von Primeo Energie, erklärt. «Zunächst einmal können Einrichtungen von zwei Unterwerken aus versorgt werden, wie das im Kantonsspital der Fall ist. Das ist die niedrigste Stufe.» Ist eine Leitung weg, übernimmt die andere.

Die nächsthöhere Stufe ist die Notversorgung mit Unterbruch. Heisst: Wenn der Strom ausfällt, springt ein Notstromgenerator an. Zwischen Ausfall und Anspringen gibt es einen kurzen Unterbruch: Die Lichter sind aus, die Kaffeemaschinen laufen genau so wenig wie Drucker oder Fotoautomaten.

Ein Notstromgenerator versorgt das Kantonsspital Baselland im Notfall mit Strom.

Fällt der Strom aus, springt ein Notstromgenerator an. Zwischen Ausfall und Anspringen dürfen nur wenige Sekunden liegen.

USV: Stromversorgung ohne Unterbrechung

«Schliesslich gibt es noch die Stromversorgung, die auch bei einem Stromausfall in Betrieb ist.» Dies ist die sogenannte unterbrechungsfreie Stromversorgung, kurz: USV. Auch diese gibt es im Spital auf dem Bruderholz. Dabei handelt es sich um ein eigenes Netz, das von Batterien gespeist wird. Diese hängen ihrerseits am regulären Netz des Hauses. Dieses USV-Netz versorgt besonders wichtige Bereiche und Geräte, zum Beispiel Operationssäle im Krankenhaus. 

Der Notstromtest im Spital ging indes völlig reibungslos über die Bühne. Alle Systeme versahen ihren Dienst genau so wie erwartet. Dazu gehörte auch, dass nach dem kurzen Unterbruch viele der angeschlossenen Geräte Fehlermeldungen schicken. «Die müssen wir jetzt noch alle abarbeiten», sagt Dezlhofer kurz nach Mitternacht. «Erst dann ist der Notstromtest für uns zu Ende.»

Autor: Viktor Sammain

Foto: Timo Orubolo

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