Schwinger Roger Erb draussen auf dem Sägemehl mit Schwinger Gabriel Nussbaumer

Den Kranz im Kopf: Schwinger Erb will «Eidgenosse» werden

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4 min
29.06.2022

Wenn im August 2022 die ganze Schweiz aufs Eidgenössische Schwing- und Älplerfest nach Pratteln schaut, will sich Roger Erb einen Bubentraum erfüllen. Der Schwinger vom Schwingclub Oberwil strebt nach einem Kranz. Noch ist der Weg lang, aber die Chancen stehen gut.

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«Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht ans Eidgenössische denke», sagt Roger Erb. «Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn es klappen würde.» Mögliche Gegner visualisieren. Technik und Schwünge vor dem geistigen Auge durchspielen. Nach und nach jene positiven Gedanken in den Kopf pflanzen, die für den ganz grossen «Hoselupf» stehen: den Kranz am ESAF Pratteln im Baselbiet 2022 und den damit verbundenen Aufstieg in den erlauchten Kreis der sogenannten «Eidgenossen».  

Schwinger Roger Erb trainiert im Kraftraum.

Das Ziel im Blick: Roger Erb schwitzt im Kraftraum fürs ESAF 2022.

Das ESAF vor der Haustür

Roger Erb, Schwinger, Familienvater, gelernter Landmaschinenmechaniker und Landwirt, ist einer, der genau weiss, was er will. «Das Eidgenössische in Pratteln ist sozusagen mein Heimfest. Da will ich unbedingt vorne mitschwingen.» Der Mann aus dem solothurnischen Metzerlen ist für den Nordwestschweizerischen Schwingerverband am Start, den Organisator des nächsten Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests im Baselbiet. «Dass der grösste Sportanlass der Schweiz hier bei uns stattfindet, ist natürlich Motivation pur.» Gerade auch weil die Erinnerungen an die letzten drei Eidgenössischen für Erb nicht nur positiv sind. «Bisher habe ich den Kranz leider immer verpasst. Teilweise war es sehr knapp.» Zudem sei er vor den letzten Austragungen jeweils nie zu hundert Prozent fit gewesen. «Deshalb ist es in erster Linie entscheidend, dass ich im August verletzungsfrei bin und voll angreifen kann.»

Schwinger Roger Erb lächelnd vor gewonnenen Kränzen.

Ein Festsieg, 34 Kränze: Kommt in Pratteln der ESAF-Kranz hinzu?

Intensiver Sport, Erholung bei der Familie

Wer auf Profiniveau schwingt, hat nicht viel Freizeit. Technik, Kraft und Ausdauer müssen laufend verbessert werden.» Pro Woche stehen fünf bis sechs Trainings an. «Wenn du etwas erreichen willst, musst du diesen Aufwand in Kauf nehmen.» Daneben arbeitet Erb Vollzeit auf dem Hof des Vaters – 15 Mutterkühe, 50 Milchkühe, 450 Schweine, 55 Hektaren Land. «Das gibt ordentlich zu tun.» Auch das Familienleben erfordert Zeit und Einsatz. «Bei der Familie tanke ich auf. Meine Frau begleitet mich seit Jahren an jedes Schwingfest und unterstützt mich in allem, was ich tue.» Und die beiden Kinder, die drei und ein Jahr alt sind? «Auch sie geben mir viel Kraft. Bei ihnen kann ich so richtig abschalten.»

Schwinger per Zufall

Wie bei vielen seiner Altersgenossen begann Roger Erbs Sportkarriere im lokalen Fussballverein. «Aber ‹tschutte› war nicht so mein Ding.» Seine Mutter sei es gewesen, die ihn mehr aus Jux denn aus Ernsthaftigkeit aufs Schwingen aufmerksam gemacht habe. Das war im Jahr 2004, als das ESAF in Luzern stattfand und Abderhalden Jörg in der Innerschweiz seinen zweiten von drei Königstiteln erschwang. Klein Roger, damals zwölfjährig, entschloss sich, die Fussballschuhe gegen die Zwilchhosen zu tauschen und sein Glück fortan im Sägemehl zu suchen. Gefunden hat er es in vielerlei Hinsicht. «Am Schwingen faszinieren mich die Kameradschaft, das Bodenständige und Traditionelle.» Zudem sei seine Sportart die perfekte Lebensschule. «Ob der Handschlag vor dem Wettkampf oder das Rückenabwischen nach dem Gang – Fairness und Respekt spielen im Schwingen eine grosse Rolle.»

Schwinger Roger Erb wischt Schwinger Gabriel Nussbaumer das Sägemehl vom Rücken.

Fairness und Kameradschaft: Beim Schwingen wischt der Sieger dem Verlierer das Sägemehl vom Rücken.

Gute Chancen auf einen Kranz am ESAF

Roger Erb zählt in Expertenkreisen durchaus zu den ESAF-Kranzanwärtern. Manuel Röösli, Chefredaktor der Schwingerzeitung «Schlussgang», hatte ihn beispielsweise schon am Eidgenössischen in Zug auf dem Zettel: «Roger Erb schwingt seit etwa acht Jahren regelmässig vorne mit. Deshalb traue ich ihm einiges zu. Zudem könnte er in Pratteln vom Heimbonus profitieren.» Der Festsieg am Basellandschaftlichen Kantonalschwingfest in Lausen 2016 und 34 gewonnene Kränze, davon sechs Bergkränze, sprechen ebenfalls für sich. «Wenn alles passt, holt er den Kranz», prophezeit Röösli.

Schwinger Roger Erb liest die Schwingerzeitung «Schlussgang».

Was macht die Konkurrenz? Roger Erb informiert sich unter anderem in der Schwingerzeitung «Schlussgang».

Erbs Trümpfe auf dem Weg zum Erfolg

Mit 1,91 Meter Körpergrösse und einem Kampfgewicht von etwa 115 Kilo verfügt Roger Erb über perfekte Voraussetzungen für seinen Sport. Aber nur gross und schwer zu sein, genügt im Schwingen bei Weitem nicht. «Nebst Technik und Kraft ist letztlich auch der Kopf ein wichtiges Puzzleteil für den Erfolg», sagt Roger Erb. «Im Schwingen musst du nicht nur mit dir selbst klarkommen, sondern auch mit jeder Bewegung, die dein Gegner macht.» Hohe Körperspannung, volle Konzentration. Auch äusserliche Faktoren wie Zwischenrufe aus dem Publikum, Anweisungen der Trainer und Hitze spielen eine Rolle. «Beim Wettkampf musst du alles ausblenden, was dich irritieren könnte. Wenn du das schaffst, kommt es gut.»

Schwinger Roger Erb konzentriert mit Griff an der Zwilchhose des Gegners.

Auf alles vorbereitet: Beim Schwingen sind Konzentration und Geduld ebenso wichtig wie Kraft und Technik.

So wird Roger Erb alles daransetzen, um am letzten Augustwochenende 2022 auf den Punkt genau parat zu sein. Ein «Böser» will er werden, zur Schwingerelite gehören, zu den besten fünfzehn Prozent, die sich nach dem ESAF als «Eidgenossen» bezeichnen dürfen. Noch ist der Kranz bloss in Roger Erbs Kopf. Nach seinem Heimfest in Pratteln soll er darauf Platz finden.

Primeo energie am ESAF Pratteln im Baselbiet

Ob Informationen zum Anlass, Hintergrundberichte zum Schwingsport oder Ticketwettbewerbe: Besuchen Sie unsere Website zum ESAF 2022.

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Autor: Luk von Bergen

Foto: Markus Lamprecht

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